Katholische Kirche dreht den Geldhahn zu: „Weltbild“-Verlagsgruppe insolvent!

 

Wie das Wirtschaftsmagazin Handelsblatt heute, am 10.01., berichtete, hat der angeschlagene Weltbild-Verlag, größtenteils im Besitz der katholischen Kirche in Deutschland und der zweitgrößte Buchhändler in Deutschland, hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen in Augsburg mit. Auslöser sei vor allem ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Auch angesichts der in den kommenden drei Jahren erwarteten niedrigeren Einnahme habe sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Unternehmens verdoppelt. „Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung herausgestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird“, hieß es am Freitag in einer Mitteilung. Weltbild betreibt 300 Geschäfte, von denen viele rote Zahlen schreiben und beschäftigt 6300 Mitarbeiter.

Deswegen steht jetzt der Weg zum Amtsrichter am Sitz der Verlagsgruppe in Augsburg an. Pikant schon jetzt: Insolvenzverwalter wird die Augsburger Kanzlei „Scheider & Geiwitz und Partner“, diese Kanzlei hat bereits die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker abgewickelt und das nicht sonderlich erfolgreich, weder Schlecker noch IhrPlatz konnten gerettet werden. Jetzt könnte dieses Schicksal auch Weltbild drohen.

Verlagsgruppe Weltbild GmbH: Homepage

>>> Hugendubel nicht betroffen

Weltbild ist mit der Weltbild-Gruppe in der Finanzholding Deutsche Buch Handels GmbH zusammengeschlossen, jede Seite, Hugendubel und Weltbild, hält 50 Prozent. Sie betreiben gemeinsam das Filialnetz. Hugendubel bezeichnete die Insolvenz des Partners als „überraschend“, sei aber selbst nicht betroffen: „Die Insolvenz der Verlagsgruppe Weltbild, mit der uns eine jahrzehntelange, erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit verbindet, nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis“, sagten die geschäftsführenden Gesellschafter Nina und Maximilian Hugendubel am Freitag gegenüber Handelsblatt Online. Die aktuelle Entwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen, so die Geschwister Hugendubel: „Dennoch trifft uns die Nachricht nicht unvorbereitet.“ Hugendubel sei bereits in intensiven Gesprächen mit Geschäfts- und Finanzierungspartnern. Auf den Geschäftsbetrieb von Hugendubel habe die Insolvenz des Partners keine unmittelbaren Auswirkungen. „Wir sind mit unserer Geschäftsentwicklung – insbesondere mit dem abgelaufenen Weihnachtsgeschäft – sehr zufrieden und liegen im aktuellen Geschäftsjahr über Plan“, sagten sie.

Logo Hugendubel

 

>>> Wer ist insolvent, wer nicht?

Das ganze Unterfangen ist schwer zu durchschauen: Die Insolvenz betreffe nur die Verlagsgruppe, nicht die Filialen, außerdem auch nicht die Auslandsgesellschaften in Österreich und der Schweiz, da Weltbild dieses Geschäft über eine gemeinsame Tochterfirma in Zusammenarbeit mit dem in München ansässigen Buchhändler Hugendubel laufen lässt (DBH, Deutsche Buch Handels GmbH & Co. KG, mehr dazu weiter unten). Ebenfalls nicht betroffen sei der Internetbuchhändler bücher.de. Doch wie sollen die Weltblild-Filialen und weltbild.de eine Zukunftschance haben, wenn die Verlagsgruppe abgewickelt werden sollte? „Ob das Unternehmen weitergeführt werden kann, in Teilen verkauft oder ganz geschlossen werden muss, wird der Insolvenzverwalter ausloten.“, berichtet das Handelsblatt dazu schwammig. Weltbild betreibt 300 Geschäfte, von denen viele rote Zahlen schreiben.

 

Nicht betroffen: Logo bücher.de Logo Weltbild

 

>>> Viele Probleme führten zum Niedergang

 

Dazu kommen hausgemachte Probleme, die vor allem an Management und Eigentümern des Verlags liegen. Der seit Jahrzehnten für das Haus arbeitende Weltbild-Chef Carl Halff hat aus dem Buchhändler einen Allround-Anbieter gemacht. LED-Echtwachskerzen, Schminkutensilien, Adventskalender – all das sollte die Abhängigkeit vom margenschwachen Buchhandel mindern. Das Sortiment reichte vom Werkzeug-Koffer bis zur Unterwäsche. Zusätzlich ging Halff auf Einkaufstour: Als dicksten Fisch zog er 2006 Hugendubel an Land. Weltbild arbeite wie ein Versandhaus, heißt es. Das heißt: Sie erstellen einen Katalog, versenden ihn und warten dann auf die Bestellungen der Kunden. Der Prozess ist aufwendig und produziert Kosten, die reine Internethändler wie Amazon nicht haben. Schon Versandhäuser wie Quelle und Neckermann sind an diesen Strukturen zu Grunde gegangen.

Was seither fehlt, ist eine klare Fokussierung der Marke. „Uns ist der Leitstern abhanden gekommen“, heißt es aus dem Management der Weltbild-Gruppe selbstkritisch. Erfolge feierte zwar zuletzt der mit anderen Buchhändlern vertriebene E-Reader „Tolino“, der unter anderem mit der Telekom entwickelt wurde. Doch auch das reicht offensichtlich nicht aus.

Die Eigentümerstruktur hat die Probleme verschärft. Die Verlagsgruppe Weltbild gehört der katholischen Kirche. Zwölf Bistümer, die Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands konnten sich in den Verhandlungen der letzten Stunden nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen. In den vergangenen Jahren beschwerten sich die Eigentümer wiederholt über das ihrer Meinung nach allzu weltliche Angebot ihres Buchhändlers. Der freizügige Roman „Shades of grey“ durfte zunächst nicht vertrieben werden. Noch immer sind die Eigentümer zerstritten.

Nach Angaben von Insidern wurde auch vor dem Hintergrund der negativen Schlagzeilen über den Umgang mit Geld des Bistums Limburgs durch den in Ungnade gefallenen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darum gerungen, ob weitere Einnahmen aus der Kirchensteuer in den defizitären Verlag gesteckt werden dürften.

Die Summe, die zur Sanierung notwendig war, dürfte nach Einschätzung von mit der Sache vertrauten Personen dabei eher mindestens im unteren dreistelligen Millionenbereich liegen – zu viel für die Kirche. Ohne eine Kapitalspritze der Eigentümer spielten aber auch die Banken nicht mehr mit. „Die haben den Stecker gezogen“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer am Freitag zu Handelsblatt Online.

Grund für die desolate Lage des Verlages, für den trotz zahlreicher Entlassungen noch immer rund 6300 Mitarbeiter arbeiten und der im Jahr 2012 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete, sei außerdem die schleppende Umstellung auf ein neues Geschäftsmodell. Gegen Amazon als den größten Online-Händler in Deutschland hat Weltbild es schwer.

 

>>> Ende mit Ansage

 

Bereits im letzten Jahr hieß es, Weltbild könnte vor dem Ruin stehen. Am 09.09.2013 kursierte eine dementsprechende Meldung, die vom Weltbild-Konzern ganz klar dementiert wurde. Am 04.11.2013 hieß es dann offiziell, dass das Unternehmen von den Gesellschaftern 60 Millionen Euro zusätzliches Kapital erhalte, so sollte der Verlag auf längere Sicht wieder profitabel werden. Daraus wurde nichts, wie nun klar wird.

Auch schon lange Zeit vorher wurden durch Streitigkeiten bei der Kirche Schwierigkeiten laut, die Mitarbeiter wurden durch viele verschiedene Meldungen auf die Folter gespannt. 2011 hieß es wegen Zank um das Erotik- und Esoterikangebot von Weltbild, Weltbild solle verkauft werden: Die Gesellschafter (u.a. die Kirche) hätten die Geschäftsführer beauftragt, „ohne jeden Verzug entschlossen“ einen Käufer für das Unternehmen zu finden. Doch daraus wurde nichts: Meldung von 2012 bei Spiegel Online: „Die katholische Kirche ändert ihre Meinung – was ja nicht so häufig passiert: Weltbild soll nun doch nicht verkauft werden. Der Verlag (…) soll jetzt in eine Stiftung umgewandelt werden.“ So weit so gut. Doch dann kam die angebliche Pleite im letzten Jahr und nun die endgültige Insolvenz am heutigen Freitag. Da hilft nur noch beten…

 

>>> Weitere Infos:

 

http://www.spiegel.de/thema/weltbild/

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/buchhandel-hugendubel-nennt-weltbild-pleite-ueberraschend/9317042.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/zweitgroesster-buchhaendler-kirchen-laeuten-weltbilds-letzte-stunde-ein/9314716.html

www.weltbild.com

 

 

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