WAZ-Gruppe kauft bei Axel Springer AG ein

Nach dem Paukenschlag in der deutschen Wirtschaft am Dienstag mit der Meldung, dass Mobilfunkanbieter O2 seinen Konkurrenten E-Plus übernehmen will. Ein Milliardengeschäft, wenn das Kartellamt zustimmt. Nun ein weiterer Paukenschlag, diesmal jedoch in der Medienbranche, genauer gesagt in der Printmedien-Branche. Die Berliner Axel Springer AG (BILD, WELT, Hörzu u.v.m.) verkauft einen Großteil seines Print-Portfolios an die FUNKE Mediengruppe (vor Umbenennung WAZ-Mediengruppe; Haupttitel: WAZ) in Essen. Bereits vor einiger zeit gab es ein Übernahmeangebot der Springer AG, die WAZ-Gruppe übernehmen zu wollen. Jetzt ist es plötzlich anders herum: Für 920 Millionen (!) Euro übernimmt die WAZ-Gruppe zahlreiche, teils sehr traditionsreiche, Blätter aus dem Hause Springer, sogar Titel die den Namen „BILD“ tragen wie „BILD Woche“ oder „Bild der Frau“, außerdem die Internetseiten dieser Blätter und kostenlose Anzeigenblättchen aus Hamburg und Berlin (> mehr dazu: siehe Infografik unten)

Außerdem wolle man ein Gemeinschaftsunternehmen gründen,  „für Vermarktung und Vertrieb von gedruckten und digitalen Medienangeboten und damit ihre Aktivitäten, Ressourcen und ihr Know-how in diesen Bereichen zu bündeln.“ In beiden Gesellschaften werde Axel Springer in der „unternehmerischen Führung sein und die Mehrheit halten“. Die Umsetzung der Aktion ist mit Wirkung zum 1. Januar 2014 geplant.

Merkwürdig: Springer leiht Funke Geld für den Kauf! Ein merkwürdiges Unterfangen (Hat z.B. EDEKA sich bei Tengelmann Geld geliehen um Plus zu kaufen? Nein.) Vom Kaufpreis werden laut Springer beim Vollzug des Geschäfts 660 Millionen Euro fällig, spätestens sei diese Summe am 30. Juni 2014 zu zahlen. Die restliche Summe von 260 Millionen Euro werde Springer der Funke Mediengruppe als ein Verkäuferdarlehen mit mehrjähriger Laufzeit gewähren. Nach Einschätzung des Portals „Meedia“ deutet dies darauf hin, dass Springer den Verkauf möglichst zügig abwickeln will.

 

Unter anderem die „Berliner Morgenpost“ und das „Hamburger Abendblatt“ werden verkauft. Auffällig hier: Das Hamburger Abendblatt war die erste Zeitung, die Axel Springer, der Firmengründer, produziert hat, war immer als Grundstein des Medien-Imperiums, neben der BILD-Zeitung, genannt worden. Nun wird ausgerechnet dieser Titel verkauft. Auch die Morgenpost gehört seit langer Zeit zu Springer, die HÖRZU war ebenfalls eine Springer-Erfindung. Auch diese TV-Zeitschrift wird verkauft.

 

Zu den gekauften Titeln gehören außerdem ALLE TV-Magazine und ALLE Frauen-Magazine:

TV:

HÖRZU, TV DIGITAL, FUNK UHR, BILDWOCHE, TV NEU

Frauen-Magazine:

BILD der FRAU, FRAU von HEUTE

 

>> WARUM verkauft Springer so einen großen Teil seines Portfolios?

„Axel Springer verfolgt eine stringente Digitalisierungsstrategie mit dem Ziel, das führende digitale Medienunternehmen zu werden. Dabei fokussiert sich das Unternehmen noch stärker auf seine multimedialen journalistischen Kernmarken WELT- und BILD-Gruppe“. Heißt im Klartext: Medien-Größe Springer verabschiedet sich immer mehr aus dem Print-Geschäft und versucht sein Glück im Internet. Mit Projekten wie „Bild plus“ (Geld gegen Online-Inhalte) hat man dort bereits einen Schritt getan. Das bekommen jetzt auch die Traditionsblätter zu spüren. Bei Springer heißt es dazu lapidar: „Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen. Wir sind jedoch sicher, dass die Bündelung in der FUNKE MEDIENGRUPPE für eine langfristige Perspektive der Marken und deren Mitarbeiter das Beste ist.“ (Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer AG)

 

>> WARUM kauft die WAZ-Gruppe so viel ein, gerade in Zeiten wo vor allem Tageszeitungen schwächeln?

„Wir müssen unsere Kräfte bündeln – denn der Medienmarkt stellt uns vor anspruchsvolle Aufgaben. Deshalb freuen wir uns, dass wir (…) ausgewählte Axel Springer-Printtitel mit unseren Aktivitäten zusammenführen werden. Für unser Haus eröffnen sich neue Perspektiven: im Print- und im Online-Bereich. Hiermit erschließt sich für uns ein großes Potenzial, um neue Wege (…) zu gehen. Gemeinsam mit den zu uns kommenden Kolleginnen und Kollegen bauen wir ein nationales Medienhaus auf.“ Doch nicht nur das: Erst in diesem Jahr wurde der Name „WAZ-Mediengruppe“ in „FUNKE Mediengruppe“ geändert. Hintergrund: Die WAZ war immer ein Familienunternehmen der Familien Funke und Brost. Seitdem eine Erbin des Zeitungs-Gründers Erich Brost die 50%-Anteile an Familie Funke verkauft hat, hat Funke jetzt das Ruder übernommen und haut auf den Tisch, änderte u.a. den Namen, entließ Redakteure und kauft fleißig ein. Aus dem Zeitungshaus mit den vielen Ruhrgebietstiteln, bekannt geworden durch die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ), ist längst ein Medien-Großkonzern mit großem Portfolio geworden, doch seitdem Funke das Sagen hat nimmt die Expansion immer neu Züge an.

 

>>> ES GIBT aber auch Kritik an der Unternehmung

Nachdem die FUNKE-Gruppe im letzten Jahr von heute auf morgen die gesamte Redaktion der Westfälischen Rundschau (WR) entlassen hatte hagelte es überregional Kritik, auch vom Journalistenverband. Man müsse sparen, hieß es. Jetzt hat man plötzlich 920 Millionen Euro übrig um einkaufen zu gehen? Damit macht man sich sehr unglaubwürdig. Der Journalistenverband fordert vom Bundeskartellamt nun eine sehr genaue Prüfung dieses geplanten Verkaufs.

VIDEO Tagesschau: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1322862.html

 

 

>>> Pressemitteilungen:

AXEL SPRINGER AG: http://www.axelspringer.de/presse/FUNKE-MEDIENGRUPPE-uebernimmt-Regionalzeitungen-und-Teile-des-Zeitschriftenportfolios-von-Axel-Springer-Gruendung-von-Gemeinschaftsunternehmen-fuer-Anzeigenvermarktung-und-Vertrieb_18994020.html

FUNKE Mediengruppe: http://www.waz-mediengruppe.de/fileadmin/template/Inhalte/Downloads/PDF/Pressemitteilungen_2013/20130725_PM_FUNKE_MEDIENGRUPPE_Axel_Springer_AG.pdf

 

 

>>> JdB Blog INFOGRAFIK >>>

 

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