Retro-Ratio

INFO: In Kürze hier im JdB Blog: 1Jahr JdB Blog – der große Geburtstag! Mit Sonderseite. PS: Bitte entschuldigen Sie die späte Entfernung des Karnevals-Headers. Die Seite Karneval wurde entfernt.

In diesem Artikel:

RATIO-Übernahme endgültig
JdB Blog DAS FAZIT – Retro-Ratio

RATIO-Übernahme durch EDEKA in trockenen Tüchern

EDEKA gab zum 02.03. bekannt, dass das Kartellamt den Kauf der Einkaufszentrum- und Großhandelskette RATIO genehmigt hat. Dazu gehöre auch ein Baumarkt. Anscheinend soll der Name RATIO dann wohl auch schnell verschwinden, wenn man diesen Satz so deuten darf: „Die Übernahme der Märkte erfolgt in den nächsten Wochen.“ und „Gemäß der regionalen Ausrichtung der Gruppe wer­den die Standorte zukünftig in  die Vertriebsstrukturen der EDEKA-Regional­gesellschaften Rhein-Ruhr,  Minden-Hannover, Hessenring und Südwest eingegliedert.“, heißt es in der Pressemeldung. Die Frage ist nur, was aus den RATIO-Märkten genau werden soll, die RATIO Einkaufszentren (ähnlich wie real) passen nicht ins EDEKA-Konzept, genau so wenig wie die Großmärkte. Die Einkaufszentren könnten also nur  zur EDEKA-Tochterfirma Marktkauf werden, die Großmärkte zu „EDEKA C+C Großmarkt“, ein eher unbekannter Großmarkt. Im nordrhein-westfälischen Ratingen (siehe auch Artikel unten) z.B. wären dann Marktkauf und EDEKA Großmarkt direkt nebeneinander (jetzt RATIO Einkaufszentrum und Großmarkt). Somit ist EDEKA weiterhin auf Einkaufstour durch die Unternehmen und vergrößert weiter seine Monopolstellung. Vor Kurzem kaufte EDEKA den Getränkehändler trinkgut, davor Plus. „Auch Hendrik Snoek, Geschäftsführender Gesellschafter der RATIO-Gruppe, zeigte  sich von der Entscheidung des Kartellamts erfreut: „Mit der mittelständisch  geprägten EDEKA-Gruppe haben wir einen idealen Betreiber und Mieter für unsere  Immobilien gefunden.“ Über die jetzt an EDEKA übergehenden Standorte hinaus  hatte RATIO zuvor bereits weitere Einzelhandels- und Großmärkte an Wettbewerber  veräußert. „, heißt es weiter. Die RATIO-Gruppe war ein privates Unternehmen und über 230 Jahre alt.

Anzeichen für eine Änderung sieht man auch im Internet: „Leider sind unsere Internetseiten derzeit nicht erreichbar.“, heißt es dort. Auch die Suche, über die man vorher noch auf Umwegen auf die anderen Seiten kam, ist verschwunden.

RATIO-Internetseite

So warb RATIO noch 2009 für seinen Geburtstag

„Die wilden 70er“ oder „Wilkommen bei Retro-Ratio“

Wie Sie oben vielleicht schon gelesen haben, wurde Ratio von Edeka übernommen. Das heißt, das dieser Bericht wohl der letzte Bericht aus einem Ratio-Markt ist, wenn Edeka wirklich die Marke auslöschen wird. Lesen Sie hier selbst, wie ein SB-Warenhaus auch aussehen kann, aber lieber nich sollte.

März, 05. Wir schreiben das Jahr 2011. Zeitmaschinen gibt es nicht. Wenn Sie aber einmal in die Vergangenheit reisen wollen, z.B. in die 70er-Jahre, dann habe ich einen Tipp für Sie. Die Zivilisation hat (mal mehr mal weniger…) jeden Fleck in Deutschland erreicht. Wirklich jeden? Nein! Ein Einkaufszentrum mit dem Namen Ratio im nordrhein-westfälischen Ratingen stemmt sich immer noch tapfer dagegen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben sind. Hier im Gewerbegebiet gibt es einen Ratio Großmarkt, direkt daneben ein Ratio Einkaufszentrum. Und dort hat es mich am Samstag, den 05.03.2011 verschlagen. Das fängt schon draußen an. Weiße, geriffelte Metallwände mit blauen Streifen, an diesen Wänden prangen vergilbte Schilder, z.B. von der Deutschen Post. Weiter hinten versteckt sich unter völlig veralteten Werbeschildern der dazugehörige Getränkemarkt. Hat man sein Auto dann unter vergilbten Parklplatz-Überdachung geparkt und den Drehtür-Eingang gefunden und überwunden hat, geht das Schlamassel weiter. Wohin jetzt? Links eine Apotheke, rechts ein enger, dunkler Durchgang zum eigentlichen Markt.  Das muss man erstmal wissen. Die bunten, abgenutzten Hinweis-Füße sieht man erst, wenn man fast drin ist. Auf dem Weg dorthin ein Blumenladen, den man fast übersieht, auf der anderen Seite ein leeres Reisebüro mit 70er-Jahre-Einrichtung. Geht man nicht diesen Weg sondern geht von der einen Drehtür geradeaus weiter gelangt man durch eine weitere Drehtür wieder auf einen Parklplatz, der bis auf die fehlende Überdachung dem anderen ähnelt. Das kann sehr verwirrend sein, da gegenüber wieder ein Eingang liegt, diesmal aber zu dem, eigentlich ganz wo anders liegenden Ratio Großmarkt. Aber weiter im Einkaufszentrum. Läuft man an der Glasmauer mit der Aufschrift “ < i Ratio“ vorbei kommt man endlich in den Laden. Zuerst erstrecken sich einem Schuhe, Kleidung und und und.
Die „Schuh Stop“-Abteilung sieht sogar einigermaßen modern aus. Doch das soll sich schnell ändern. Ein Stück weiter kommen Regale. Diese sind durchnummeriert. Vor den Regalen uralte Hinweis-Schilder mit blau-gelben Streifen. Die Regale staubig, dreckig, alt. Obendrauf Kartons. Davor Angebote die keine sind. Auch die Ordnung ist nicht schlecht. Neben dem Ketchup die  Tiernahrung, Drucker-Patronen neben Kinderspielzeug.  Kurz vor der Tiernahrung ein Reagl mit internationalen Spezialitäten, dekoriert mit Schildern u.a. mit der Aufschrift „Besonderes aus Spanien“ Diese Aufkleber sind beleuchtet, teilweise zumindest. Doch wer in dem Regal mit dieser Aufschrift auch Spezialitäten aus Spaninen erwartet, irrt sich. Im Spanien-Regal Produkte aus China, die so aussehen als hätten sie die ersten deutschen Gastarbeiter mitgebracht. Weiter gehts, vorbei an den gruseligen Regalreihen, an denen sogar Kabel lose herunterhängen, in die Fleischabteilung. Diese sieht sogar einigermaßen annehmbar aus, doch dieser Eindruck wird direkt von Gang versperrenden No-Name Konserven auf weißen Paletten zerstört. Direkt daneben steht die Obstabteilung, die sich mit ihrem Kunst-Baum einigermaßen von der grauen 70er-Masse abhebt. Doch auch dieser Anflug von Moderne muss direkt ausgelöscht werden, durch ein im Baum hängendes Rezept-Regal mit der Aufschrift „Rezepte exotischer Spezialitäten“. Kleine, orangene Rezept-Heftchen in hässlicher Schrift, die so aussehen, als würden sie als exotische Früchte noch Ananas verstehen, was sich gleich auch bewahrheiten wird, die man mit Mettigeln servieren kann. Auf der Rückseite steht, wie modern, die merkwürdige, fast aggressive Aufforderung „Bestellen Sie bitte 70 Einzelrezepte (wie Muster) von Ananas (sehr exotisch! Anm. d. Red.) etc. gegen Einsendung von 3 € in Briefmarken, bar, mit Scheck oder Vorauskasse auf unser Postgirokonto Ffm.“ Wie kann man so etwas in dieser Zeit auf seine Rezepte drucken? Und wer bestellt sich soetwas? Daneben, neben Fertigkuchen, die Gemüseabteilung mit einer Kunden-Kontrollwaage, die ihre besten Jahre schon lange hinter sich hat.

Neben der Fleisch-Käse-Backwaren Reihe gelangt man dann in eine Ausbuchtung, die anscheinend die Molkereiprodukte beherbergt. Einen entsprechenden Hinweis sucht man vergeblich, man kann es höchstens aus den „frische Frisch“ Beschriftungen auf blau-weißen Markisen an der Wand ablesen. Diese Ecke des Marktes mit ihren abgenutzten Kühlegalen erinnert einen ungelogen an einen DDR-Konsum-Markt kurz nach der Wende.

Raus aus der kalten Hölle und weiter im Text. Vorbei an gammligen Getränke-Regalreihen und Wein-Regalen die mit blau-gelb gestreiften Hinweisschildern mit der Aufschrift „Ausländische Weine“ locken. Auch hier die Zeit stehen geblieben.

Irgendwann gelangt man dann in eine Sportabteilung, Spielwarenabteilung und eine Aktionsfläche. Diese glänzt durch eine vorhandene Deckenverkleidung und endlich mal helleres Licht. In dieser Gegend steht auch die Zeitschriften-Abteilung mit der großen „Weltbild best“-Ecke, eine Bücherabteilung die eher aussieht, wie ein Bücher-Flohmarkt. Am Zeitschriften-Reagl kleben uralte Logo-Aufkleber.

Nach diesem zur Abwechslung modernen Fleckchen im Markt kommt der grausame Höhepunkt. Die Elektronikabteilung. Egal wie aktuell die angebotenen Artikel auch sein mögen, in diesem Ambiente sehen sie alle aus wie aus den 70ern. Klapprige, vergilbte Regale, aber am aller schlimmsten, die Holzregale. Holzregale im Design von Omas Nachttisch! Und das im Jahre 2011! Daran braun-beige Steckdosen. Auf der anderen Seite Schallplattenspieler. Kein Wunder, dass dieser Retro-Markt auch die größte Auswahl an Schallplattenspieler hat. Neben den Plattenspielern dann leder-ummantelte, tragbare Radios, Marke Volksempfänger. Schrecklich, dieses Bild. Ein Stück weiter Rollwgen mit Lampen-Resten, auch aus Omas Zeiten. Weiter hinten die Gartenmöbel-Abteilung. Dort fehlt die Deckenverkleidung wieder, vielleicht soll das aber auch die Outdoor-Atmosphäre verdeutlichen… Dahin habe ich mich nicht mehr getraut, die Elektro-Ecke war schon zu viel des Guten.

Endlich erreicht man die Kasse, auch hier natürlich alles im 70er-Stil. Davor eine Pizzeria mit blau-gelben Markise (wie sich später im Internet herrausstellte, soll es ein Asia-Imbiss gewesen sein), eine Kamps-Filiale im Ur-Design, die aussieht wie eine Mischung aus Grillpfanne-Imbiss, Metzgerei und Bäckerei. Auf der Ratio-Internetseite ist sie bei den Shops unter dem Namen „Kamps Bakkeries“ aufgelistet. Vorbei an einer Dönerbude (die eigentlich ein Grieche sein soll) und einer Aktionsfläche mit Sportgeräten kommt man endlich zum Ausgang.
Der Marsch durch die Hölle ist vorbei. Auf dem einen Parkplatz eine stinkende Salmonellen-Schleuder, auch Hähnchengrill genannt, auf dem anderen Parkplatz ein Ratio-Imbiss, der nicht einmal die Jallouisien richtig hoch kriegt.,

Also, wenn Sie mal wieder die 70er-erleben wollen, lassen Sie sich diese Zeitreise nicht entgehen und besuchen Sie das Ratio-Einkaufszentrum in Ratingen (Info unten). Sonst kann ich von einem Einkauf dort nur abraten.

DAS FAZIT:

Wenn auch nur ein paar Märkte mehr so aussehen, wie der in Ratingen, dann wäre es für mich ehrlich gesagt kein Wunder, wenn ein solches Unternehmen pleite gehen würde. Edeka hat Ratio übernommen, wenn Edeka diese Märte nicht erneuert, dann hat man sich mit dem Kauf selbst ins Bein geschossen.
Ratingen ist einer der ersten Märkte in der Geschichte von Ratio. Man hat es aber nicht schafft, seit der Eröffnung 1968 diesen Laden auch nur ein einziges Mal zu erneuern, zu  renovieren, zu verbessern oder moderner zu machen.  Die Ratio-Internetseite vermitelt einen freundlichen, modernen Eindruck, doch so sehen nicht alle Märkte aus, im krassen Gegensatz zu einer hochmodernen Flagschiff-Filiale, die dort beworben wird.  Und: die Bilder des Marktes von innen sind mehr aus verherrlichend. Die Bilder zeigen nur die besten Ecken und nur Ausschnitte der schlimmen Ecken. Wenn das Einkaufszentrum schon so aussieht, möchte man nicht wissen, wie dann der Großmarkt aussieht.

Note: 6

Info: RATIO Einkaufszentrum Ratingen,  Daniel-Goldbach-Straße 21, 40880 Ratingen, Öffnungszeiten Mo. – Sa. 8 – 21 Uhr

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Ein Gedanke zu „Retro-Ratio

  1. „Man hat es aber nicht schafft, seit der Eröffnung 1968 diesen Laden auch nur ein einziges Mal zu erneuern, zu renovieren, zu verbessern oder moderner zu machen. “

    Interessant…woher die Weisheit?
    Viellleicht hätte der werte Schreiber den Ratio-Markt doch schon wenigstens einmal in den Jahrzehnten vorher besichtigen sollten?
    Wer den Laden wirklich kennt, weiss auch, was sich in den Jahrzehnten alles verändert hat und das war nicht wenig.
    Angefangen über solche „Kleinigkeiten“, wie die Einführung des Food-Bereichs, DIVERSEN bauliche Massnahmen und Erweiterungen.

    Mal abgesehen, dass so manch andere „reale“ Einkaufszentren wahrhaftig nicht alle besser aussehen. Dort gibt es sogar Stellen, an denen es durch die Decke regnet…

    Ratio war sicher nie eine Einkaufsstätte für ein Klientel, was gerne ein vergoldetes Ambiente mitfinanzieren möchte, dennoch ein gut besuchter Markt mit seinen eigenen Vorzügen und Nachteilen

    Ich möchte an dieser Stelle mal Dieter Nuhr zitieren:
    „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fr… halten!“

    Und nein, ich bin kein Ration-MA, Anverwandter o.ä.

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